Commodore 64: Mein erster Computer und wie alles begann
Lass mich dir was erzählen, das für dich vermutlich klingt wie Science-Fiction aus der Steinzeit. Für mich war es aber das aufregendste Ding der Welt.
Ich hatte damals einen Commodore 64 zuhause stehen. Nicht mal gekauft – geschenkt bekommen, von jemandem, der sich das Gerät zugelegt und dann festgestellt hatte: Er wusste absolut nichts damit anzufangen. Ich übrigens auch nicht. Aber ich hab ihn trotzdem mitgenommen, weil so ein Ding zuhause zu haben, sich einfach nach Zukunft anfühlte.
Zur Einordnung, damit du eine Idee bekommst, wovon wir reden: 64 Kilobyte Arbeitsspeicher. Daher auch der Name, „64″. Dein Handy in der Hosentasche hat gerade mal das ein paar Millionen Mal davon. Und trotzdem – für mich war dieses kleine graubraune Kästchen mit der Tastatur das Tor zu einer neuen Welt.
Es gab kein Internet. Es gab auch noch keine „Computer Bild“ zu kaufen – die kam erst zehn Jahre später auf den Markt. Was es gab: einen Zeitschriftenladen in meiner Stadt, mit einem ganzen Regal voller Computer-Fachhefte, allen voran die „64’er“, das deutsche C64-Magazin. Und in diesen Heften war der Code für Computerspiele abgedruckt, den man Zeichen für Zeichen abschreiben konnte.
Stell dir das vor: Du schlägst eine Seite auf, siehst ein winziges Bildchen, wie das fertige Spiel aussehen soll – und dann, Seite für Seite für Seite, nichts als Code. Buchstaben, Zahlen, Befehle, die für mich aussahen wie eine fremde Sprache. Denn genau das waren sie auch. Ich hab trotzdem angefangen: exakt so eingetippt, wie es dort stand, stundenlang, auf meiner Tastatur. Am Ende speicherte ich alles auf einer Datasette – einem Kassettenrekorder, der die Daten auf ein ganz normales Tonband schrieb.
Und dann drückte man Play. Und wartete.
Aber vorher musste man erstmal die richtige Stelle auf dem Band finden. Ein Tape hatte meistens mehrere Programme hintereinander, und die Datasette hatte an der Seite so ein kleines mechanisches Zählwerk, wie ein Kilometerzähler. Man musste sich selbst notieren, bei welchem Zählerstand welches Programm anfing – Programm eins bei 000, Programm zwei ab 045, und so weiter. Zettel und Stift neben der Datasette, das gehörte einfach dazu. Verschätzte man sich um ein paar Zahlen, lud man mittendrin in ein fremdes Programm rein – Datenmüll vom vorherigen Spiel, mit dem der Computer nichts anfangen konnte. Neu spulen, neu versuchen.
Ich weiß bis heute nicht, wie viele Stunden ich so am Bildschirm saß, während sich außer dem Surren und Rattern des Bandlaufs gar nichts tat. Und wenn es dann – an der richtigen Stelle gestartet – endlich lud, reichte trotzdem ein einziges falsches Zeichen irgendwo auf drei Seiten Code, ein Komma zu viel, ein Buchstabe verdreht, damit alles stehen blieb. Fehler. Welcher Fehler, wo genau, keine Ahnung. Kein Hinweis, keine hilfreiche Meldung. Einfach: ERROR!
Ich glaube ehrlich gesagt, ich habe nie ein einziges dieser Spiele zum Laufen gebracht. Kein einziges. Und trotzdem – bei jedem neuen Versuch dachte ich: diesmal vielleicht.

Wie der Commodore 64 und ein Nachmittag alles veränderte
Was mich damals wirklich getroffen hat, war aber gar nicht der Commodore 64 selbst, es war ein Nachmittag in der Elektroabteilung eines Kaufhauses. Es standen Computer zum Ausprobieren bereit. Ich schaute einem Jungen über seine Schulter zu, wie er etwas auf der Tastatur eingab. Auf dem las ich „IF ... THEN ... GOTO ...„. Dann drehte er sich zu mir um und grinste überheblich bevor er die Enter-Taste drückte. Auf dem Bildschirm tauchte eine 1 auf und dann zählte das Programm hoch, eins, zwei, drei, weiter, weiter, immer weiter. Der Junge schaute mich an und er wusste genau, dass er mich beeindruckt hatte. Ich stand da, Anfang zwanzig, und hatte keine Ahnung, was dieser Junge da eigentlich gerade gemacht hatte.
In dem Moment dachte ich mir: Wenn dieser Junge das kann, dann will ich das auch können, sonst werde ich abgehängt. Das ließ mich nicht mehr los.
Also wollte ich auch lernen Computer zu programmieren. Egal was es kostet, egal wie lange es dauert. Dieser eine Nachmittag im Kaufhaus hat mich dazu gebracht mich immer für die neusten Entwicklungen zu interessieren.
Was von diesem alten Commodore 64 geblieben ist: die Lust, verstehen zu wollen, wie ein Ding wirklich funktioniert – nicht nur, welchen Knopf man drücken muss. Genau die Lust nehme ich heute noch mit an den Schreibtisch, wenn ich mit Claude oder ChatGPT arbeite.